Nachteulen in Laufschuhen
Quirlige Geschäftigkeit herrschte schon am Nachmittag in dem badischen
Örtchen Bischweier am Fuße des Schwarzwaldes, obwohl das Highlight, der
Mitternachtslauf erst ganze sieben Stunden später stattfinden sollte.
Kinder rennen aufgeregt an der Startnummer zuppelnd hin und her, Eltern
geben ihren Spößlingen letzte Anweisungen und eine
Lautsprecherdurchsage jagt die andere. "Bambinis an den Start - und
einen Bitte, alle Eltern sollen sich von der Laufstrecke hinter die
Absperrung begeben".
Ralf und Volker Jungmann mit ihrem Organisationsteam haben alle Hände
voll zu tun. Starten doch an diesem schwülen Nachmittag zehn Bambini-
und Kinderläufe mit insgesamt 350 Kids. Doch nach mehreren Ermahnungen
an die übereifrigen Eltern hatte sie alles bestens im Griff.
Nachdem der erste Kraftakt der Kinderläufe gemeistert war, ging´s bei
der Bewirtung auf dem Festplatz mit Volldampf weiter. Denn
Mitternachtsläufer wollen sich nicht nur sportlich verausgaben, sie
wollen viel Spaß haben und köstliche Leckereien genießen.
In Bischweier fiel die Wahl besonders schwer: Vom französischen
Flammkuchen über rote Würste, Steak, Salat, Nudelgerichte war alles
dabei, was das Läuferherz begehrt. Dazu noch Live Musik - die Stimmung
war perfekt.
Für Ralf und Volker Jungmann mit ihrem Team jedoch gab es keine
Verschnaufpause. Ersterem stand gar der Schweiß auf der Stirn. Nicht
nur, dass er selbst beim Mitternachtslauf um 23:45 Uhr über 7,77 km
startete. Er kümmerte sich noch um die letzten Absperrungen, die
Nachmelder und stand geduldig zum Interview bereit.
"Bevor wir mit dem Mitternachtslauf loslegten, klapperten wir erst mal
alle Mitternachtsläufe ab, um Erfahrung zu sammeln. Das hat viel
geholfen. Inzwischen ist die Veranstaltung schon fast 10 Jahre alt.
1993 starteten wir mit dem Mitternachtslauf Bischweier zur
750Jahrfeier. Und viele sagten, "was sind das denn für Verrückte". Doch
mittlerweile haben sich die spöttischen Stimmen gelegt und man sieht
ja, welchen Zulauf wir haben.: fast so viele Läufer wie Einwohner."
Bischweier in der Nähe von Rastatt gelegen, hat rund 3000 Einwohner.
Genau 2314 LäuferInnen (1984 im Hauptlauf) versammelten sich heute
hinter der Startlinie.
Doch nicht nur die hohen Teilnehmerzahlen und die Uhrzeit in Bischweier
sind etwas Besonderes, wie Organisator Jungmann betont, auch die
Stimmung entlang der Strecke ist einmalig. Unzählige Helfer, mehrere
Vereine und das ganze Dorf verhelfen dem Lauf-Event zu einer
einzigartigen Atmosphäre. Sei es eine extra installierte Dusche, die
überhitzte Läufer abkühlt, die "Lauf-Parties" der Anwohner an der
Strecke, Fackeln, Lichterkerzen, Trommeln und Musikbands, jeder gab in
Bischweier sein Bestes.
Natürlich ist auch die Strecke vom Feinsten - anspruchsvoll, hügelig
(insgesamt sind auf den zwei Runden 200 Höhenmeter zu bewältigen) und
mit 6 Stufen bei der Kirche St. Anna garniert. Nach rund 200 Metern
beim ersten Anstieg trennte sich auch gleich die Spreu vom Weizen.
LKW-Fanfaren machten hier den Läufern Beine.
Die schnellsten Beine hatte bisher Christoph Melcher vom TV
Kappelrodeck mit 24:20 Minuten und Heike Gottheil vom VFL Sindelfingen
ebenfalls 1996 in 28:42 Minuten. Die Streckenrekorde waren jedoch nicht
in Gefahr, sicherlich auch wegen der mediterranen Temperaturen von 22
Grad Celsius, um Mitternacht. Doch kann es in Bischweier auch
empfindlich kalt sein. 1996 zeigte das Thermometer nur 8 Grad.
Heuer stand dem "Après-Lauf" auf dem Festplatz zumindest
temperaturmäßig nichts im Wege. Bei Live-Musik bis zur Siegerehrung um
2 Uhr ließ es sich prächtig feiern.
Anke Fuchs (running-pur Regionalteil)
[10.02.2003]
900 Läufer erreichten das
Ziel / Rekordbeteiligung beim Mitternachtslauf in Bischweier
Eine
neue Rekordbeteiligung verzeichnete der Mitternachtslauf Bischweier des
MNL-Bischweier
in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Zum absoluten Höhepunkt des
"Sommerspektakels" reisten Läufer aus ganz Deutschland und aus
Frankreich an. Neben einer großen Zahl von Sportlern aus der Region
gingen Teilnehmer aus München, Berlin und Tauberbischofsheim an den
Start. Insgesamt über 900 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel.
Ein Grund für die große Attraktivität war sicherlich das sommerliche
Wetter, aber auch, so werten es die Veranstalter, der außergewöhnliche
Rundkurs durch das gepflegte Kirschendorf, durch Straßen und über eine
Wiese und der Reiz des Laufs um Mitternacht.
Bereits
ab 18:00 Uhr am Samstag starteten rund einhundertachtzig Kinder in fünf
Bambini- und Schülerläufen. Straßenfeststimmung herrschte dann ab
Einbruch der Dunkelheit auf dem zum Festplatz umfunktionierten
Schulhof. Buntes Treiben um Stände und Buden und Musik von der
"Second-hand-Band" sorgten für beste Laune. Bis zum Nachmeldeschluß um
22:30 drängten sich die Teilnehmer für den Mitternachtslauf im
Meldebüro. Gespannte Aufregung und dichtes Gedränge herrschten dann am
Start, wo die große Zahl der Sportler kaum Platz fand. DJ Peter Schulz
hatte sich dort aufgestellt und heizte erst einmal mit heißen Rhythmen
ein.
Als
dann um 23:45 Uhr der Startschuß fiel, kam auch das Publikum auf seine
Kosten: hervorragende sportliche Leistungen bekam es zu sehen, daneben
auch die, für die der Spaß vor dem Sport kam, wie dem Vertreter
eines Hundesportvereins, der mit seinem Vierbeiner angetreten war, oder
die "Schlafmütze" mit Streifenkittel, Mütze und Nachtlaterne.
Der ganze Ort schien auf den Beinen zu sein, um
zusammen mit den vielen angereisten Fans die Sportler anzufeuern. Die
für den Mitternachtslauf in Bischweier bekannte hervorragende Stimmung
machten den sportlichen Wettbewerb zum Volksfest.
Mit
Kochtopfdeckeln, Flaschen, Fackeln oder Plakaten und viel Hallo war das
Publikum voll bei der Sache. So immer neu motiviert schafften die
Läufer dann auch die 7,77 km lange Strecke trotz ihrer hügeligen Tücken.
Badische Neuste Nachrichten, Montag 22. Juni 1998
(Diebold)
Lärmlawine trug
Mitternachtsläufer davon
Mitternachtslauf
durch die Straßen Bischweiers / Sommerspektakel mit 1200 Athleten aus
ganz Deutschland
Einmal im Jahr verwandelt sich das sonst
relativ ruhige, kleine Kirschendorf zum Schauplatz eines mitterweile
auf Nationalebene rangierenden Laufwettkampfes. Wenn Ende Juni (1999 im
August) die große Stunde der Mitternachtsläufer schlägt, tut wohl kaum
einer in Bischweier ein Auge zu – kann er auch nicht.
Die
Begeisterung und der Lärmpegel der Zuschauer und Anwohner am Rande der
vier Kilometer langen Strecke spottet tatsächlich jeder Beschreibung.
"Schönen guten Abend alle zusammen! Herzlich willkommen beim
Mitternachtslauf 1998!" begrüßt der Startleiter das riesige
Sportlerheer einige Minuten vor dem Start.
Um
23:45 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag begannen die über 900
Läufer hinter der Startlinie den Countdown laut mitzuzählen und der
Startschuß glich – wie jedes Jahr – dem Lostreten einer Lärmlawine, die
sich unaufhaltsam ihren Weg durchs Dorf bahnte.
Mit
allem, was sich zum Kracherzeugen eignet, wurden die Sportler zu
Höchstleistungen angefeuert; einschließlich Technobeats aus der
Hi-Fi-Anlage und sogar Taschensirenen, die eigentlich zur
Selbstverteidigung für Frauen gedacht sind.
Insgesamt
7,77 Kilometer, also zwei Runden, garniert mit Steigungen, mußten die
Athleten hinter sich bringen; dann erst durften sie sich im Ziel
erschöpft und schweißgebadet den Fruchtschnitzen und isotonischen
Getränken widmen, von denen in Bischweier gratis reichlich angeboten
wurde.
"Wer’s
nicht miterlebt hat, kann’s nicht nachfühlen", das dachten wohl auch
die Berliner Athleten, die den weiten Weg quer durch Deutschland nicht
gescheut hatten um hier teilzunehmen. Ein altes Sprichwort etwas
umformuliert könnte hier heißen Alter schützt vor Fitneß nicht, denn
der älteste Teilnehmer schaffte noch, was so manchen, um Genertationen
Jüngeren schlauchen würde. ...
Badisches Tagblatt, Montag 22. Juni 1998 (Dominik
Stelp)
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